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← Zurück zum LernportalAuf dem Netzlaufwerk liegt eine Datei namens "Curriculare_Planung_v3_FINAL_v2_korrigiert.docx" - und du bist dir nicht sicher, ob das wirklich die aktuelle Version ist. War da nicht noch eine neuere per E-Mail? Oder hat die Kollegin ihre Änderungen auf dem USB-Stick mitgebracht? Wer kennt das nicht?
Im Schulalltag arbeiten viele Menschen an denselben Dokumenten, aber die Werkzeuge sind dafür nicht gemacht. Das Ergebnis sind wiederkehrende Frustrationen:
Das Problem ist nicht mangelnde Disziplin. Das Problem ist, dass die üblichen Werkzeuge einfach nicht für echte Zusammenarbeit an gemeinsamen Dokumenten gebaut wurden. Die gute Nachricht: Es gibt eine Lösung, die genau dafür erfunden wurde.
Du kennst die Funktion "Änderungen nachverfolgen" in Microsoft Word? Jede Änderung wird farblich markiert, du siehst wer was geändert hat, und du kannst Änderungen annehmen oder ablehnen. Versionskontrolle ist genau dieses Prinzip - aber für alle Dateien gleichzeitig, nicht nur für ein einzelnes Word-Dokument.
Stell dir ein intelligentes Logbuch vor, das automatisch jede Änderung an jedem Dokument in deinem Projekt protokolliert. Jeder Eintrag enthält drei Informationen:
Das Besondere an Versionskontrolle: Du kannst jederzeit in der Zeit zurückspringen. War die Version von letzter Woche besser? Kein Problem - ein Klick, und du hast sie wieder. Hat jemand versehentlich etwas gelöscht? Kein Datenverlust, weil jeder frühere Zustand gespeichert ist.
Versionskontrolle wurde ursprünglich von Softwareentwicklern erfunden, weil bei Programmcode schon ein einziges falsches Zeichen katastrophale Folgen haben kann. Aber das Konzept funktioniert genauso gut für Lehrpläne, Arbeitsblätter, Prüfungsaufgaben - kurz: für alles, woran mehrere Menschen arbeiten.
Git ist die Technik (die Versionskontrolle). GitHub ist die Plattform, die Git benutzerfreundlich und online zugänglich macht - vergleichbar mit dem Unterschied zwischen "E-Mail" (Technik) und "Gmail" (Plattform). GitHub bietet dir einen zentralen Ort für alle deine Projektdateien, der von überall erreichbar ist.
Ein Repository (kurz: "Repo") ist wie ein Projektordner - nur eben mit eingebauter Versionskontrolle. Jedes Projekt bekommt sein eigenes Repository. Beispiele: "Schulinterner-Lehrplan-BWL", "Prüfungsaufgaben-Pool-2025", "Arbeitsblätter-Mathe-Klasse10".
| Feature | Netzlaufwerk | Cloud-Drive | GitHub | |
|---|---|---|---|---|
| Versionsverlauf | Nein | Nein | Begrenzt | Komplett |
| Wer hat geändert? | Nein | Teilweise | Teilweise | Ja, mit Kommentar |
| Gleichzeitig arbeiten | Problematisch | Nein | Ja | Ja, mit Branching |
| Offline verfügbar | Nein | Ja | Teilweise | Ja |
| Zurückrollen | Nein | Nein | Begrenzt | Ja, jederzeit |
"Single Source of Truth" klingt zunächst technisch, ist aber ein alltagsnahes Prinzip: Es gibt genau einen Ort, an dem die aktuelle Version eines Dokuments liegt. Nicht auf dem Netzlaufwerk UND im E-Mail-Postfach UND auf dem USB-Stick - sondern an einem einzigen, zentralen Platz.
Stell dir vor, euer Fachbereich entwickelt gemeinsam den schulinternen Lehrplan. Statt dass jeder seinen Teil in einer eigenen Datei bearbeitet und am Ende jemand alles zusammenkopieren muss, gibt es ein Repository "Schulinterner-Lehrplan". Jede Lehrkraft trägt ihre Änderungen dort ein. Die aktuelle Version ist immer online verfügbar. Und wenn bei der Fachkonferenz die Frage kommt "Wann wurde Lernfeld 5 zuletzt aktualisiert?" - ein Blick in die Historie genügt.
GitHub löst ein Problem, das jedes Kollegium kennt: Wie können mehrere Personen gleichzeitig am selben Projekt arbeiten, ohne sich gegenseitig die Arbeit zu überschreiben? Die Antwort besteht aus vier Konzepten, die perfekt ineinandergreifen:
Ein Branch (Zweig) ist eine parallele Kopie deines Projekts, in der du Änderungen ausprobieren kannst, ohne das Original zu verändern. Stell dir vor, du nimmst eine Fotokopie des Lehrplans mit nach Hause, machst deine Änderungen darauf - und das Original im Lehrerzimmer bleibt unberührt, bis du fertig bist.
Wenn du mit deinen Änderungen zufrieden bist, erstellst du einen Pull Request. Das ist wie eine formelle Bitte: "Ich habe Abschnitt 3 überarbeitet - schaut euch das bitte an." Deine Kollegen können die Änderungen sehen und kommentieren, bevor sie übernommen werden.
Im Review-Prozess schauen Kollegen über deine vorgeschlagenen Änderungen. Sie können Zeile für Zeile Kommentare hinterlassen, Fragen stellen oder Verbesserungsvorschläge machen. Das ist Qualitätssicherung und kollegialer Austausch in einem.
Wenn alle einverstanden sind, wird der Branch per Merge ins Original übernommen. Und falls zwei Personen dieselbe Stelle geändert haben? GitHub erkennt solche Konflikte automatisch und hilft euch, sie zu lösen.
Drei Lehrkräfte arbeiten am Jahresarbeitsplan: Frau Müller aktualisiert die Lernfelder 1-4, Herr Schmidt die Lernfelder 5-8, und Frau Weber die Prüfungstermine. Jeder erstellt einen Branch, arbeitet in Ruhe, und per Pull Request fließen alle Änderungen kontrolliert zusammen.
Hier wird es richtig spannend: KI-Assistenten wie Claude können GitHub direkt bedienen. Das bedeutet: Du musst nicht selbst lernen, wie Git-Befehle funktionieren oder wo man im Menü klicken muss. Du sagst einfach, was du willst - und die KI erledigt den technischen Teil.
Das Besondere: Claude versteht nicht nur einzelne Befehle, sondern den Zusammenhang. Du kannst sagen: "Ändere in der Klassenarbeit Aufgabe 3, ersetze das Beispiel durch ein aktuelleres, und erstelle eine neue Version." Claude versteht, welche Datei gemeint ist, macht die Änderung, speichert sie mit einer nachvollziehbaren Beschreibung und du kannst das Ergebnis prüfen.
Bisher war die Hürde bei GitHub, dass man technische Begriffe und Abläufe lernen musste. Mit KI fällt diese Hürde komplett weg. Du konzentrierst dich auf das, was du am besten kannst - Inhalte gestalten - und die KI übernimmt das Werkzeug. Das ist wie der Unterschied zwischen "Auto selbst reparieren" und "dem Mechaniker sagen, was nicht stimmt".
Die Theorie klingt gut - aber wie sieht das konkret aus? Hier sind sechs realistische Szenarien, wie GitHub den Arbeitsalltag im Kollegium verbessern kann:
Der gesamte Fachbereich arbeitet an einem Repository "Schulinternes-Curriculum-BWL". Jede Lehrkraft kann Änderungen vorschlagen, die im Pull Request besprochen werden. Nach der Fachkonferenz wird die beschlossene Version gemergt. Jede frühere Version bleibt erhalten - perfekt für die Schulinspektion.
Wer hat welche Aufgabe wann erstellt? Welche Aufgaben wurden schon verwendet? Mit GitHub siehst du die komplette Historie. Und wenn eine Aufgabe nach der Klausur angepasst werden muss, bleibt das Original trotzdem erhalten.
Eine Sammlung, immer aktuell, für alle zugänglich. Neue Lehrkräfte im Fachbereich bekommen sofort Zugriff auf alle Materialien - nicht nur auf das, was gerade jemand per E-Mail weiterleitet.
Nach einer Fortbildung die Ergebnisse direkt im Kollegiums-Repository ablegen. Keine "Ich schick euch das mal per E-Mail"-Versprechen, die dann vergessen werden.
GitHub Pages bietet kostenloses Webhosting direkt aus einem Repository. Eure Fachbereichsseite, ein Lernportal für Schüler oder eine Projektdokumentation - alles möglich, ohne Serverkosten.
Schüler lernen nicht nur den Inhalt, sondern auch gleich ein Werkzeug, das in der Berufswelt Standard ist. Ob Projektdokumentation, Portfolio oder gemeinsame Texte - GitHub macht es nachvollziehbar.
Du brauchst keine Vorkenntnisse, keine Programmiererfahrung und kein technisches Equipment. Alles, was du brauchst, ist ein Computer mit Internetverbindung und 5 Minuten Zeit.
Sobald du dein erstes Repository erstellt hast, wirst du schnell merken: Das Prinzip ist einfach, der Nutzen enorm. Starte klein - vielleicht mit einer eigenen Materialsammlung. Wenn du dich sicher fühlst, lade Kollegen ein. Und mit der Zeit entsteht eine gemeinsame Wissensbasis, die immer weiter wächst.